Admoni-Doktorandenschule


1. Vladimir-Admoni-Programm (VAP) - Doktorandenschule

Im August 2008 erhielt Prof. Dr. Carsten Gansel in Verbindung mit Prof. Dr. Pawel Zimniak (Universität Zielona Góra) den Zuschlag für den Aufbau einer germanistischen Doktorandenschule für Polen. Innerhalb der Admoni-Doktorandenschule arbeiten derzeit 5 Doktoranden gezielt an ihren Dissertationsschriften.


2. Inhaltliche Schwerpunktsetzung im Rahmen des Vladimir-Admoni-Programms (VAP) sowie des Zentrums für Deutsche Gegenwartsliteratur und Medien (ZGM)
Der Schwerpunkt der im Rahmen des Admoni-Programms aufgebauten Doktorandenschule liegt in Verbindung mit dem Zentrum für Deutsche Gegenwartsliteratur und Medien (ZGM) im Bereich der Deutschen Literaturwissenschaft.

In einem ersten Schwerpunkt schließt der Antrag an das Programm des an der Universität Gießen etablierten Sonderforschungsbereichs 434 "Erinnerungskulturen" an, der ein Modell zur Beschreibung von kulturellen Erinnerungsprozessen entwickelt hat. Bei der Suche nach ,operativen Faktoren' und ,transversalen Linien', die unterschiedliche Varianten einer thematischen, methodischen und theoretischen Ausrichtung des Themas ermöglichen, werden drei Ebenen unterschieden: Auf einer ersten Ebene werden die Rahmenbedingungen des Erinnerns untersucht, auf einer zweiten Ebene geht es um die Ausformung spezifischer Erinnerungskulturen, eine dritte Ebene beleuchtet die Äußerungsformen und Inszenierungsweisen des vergangenheitsbezogenen Sinns bzw. das konkrete Erinnerungsgeschehen.

2.1 Rhetorik der Erinnerung - Gedächtnis und Literatur in der deutschen Literatur nach 1945
Ausgehend von Ergebnissen einer gemeinsamen Tagung zu "Gedächtnis und Literatur in den ,geschlossenen Gesellschaften' des Real-Sozialismus nach 1945" (2006) und der Publikation der Ergebnisse (Vandenhoeck & Ruprecht. Göttingen 2007) wird es im Forschungsschwerpunkt um Besonderheiten der Ausprägung des kollektiven Gedächtnisses in totalitären bzw. autoritären politischen Systemen und dem Vergleich mit Erinnerungskulturen in ,offenen' und demokratisch strukturierten Gesellschaften gehen. Zu zeigen ist in einem ersten Schritt, wie über das Zusammenspiel von narrativen, ikonischen und rituellen Formen das kollektive Gedächtnis in den sich als "Diktatur des Proletariats" verstehenden Gesellschaften geformt wurde.

In Hinblick auf Entwicklungen in der deutschen Gegenwartsliteratur nach 1989 werden ausdrücklich verschiedene Formen von Erinnerung Gegenstand der Untersuchung sein. Dabei geht es zum Einen um die Inszenierung von Erinnerung in literarischen Texten zwischen Autobiographie und Roman. Angesichts der Bedeutung der Medien für gegenwärtige Erinnerungskulturen ist zum Anderen darauf abgezielt, Formen der filmischen Inszenierung von Erinnerung zu erfassen. In diesem Rahmen soll die Aufmerksamkeit vor allem auf die filmische ,Inszenierungs- und Referenzebene' gelegt werden. Als Gegenstand bieten sich u.a. ,Erinnerungsfilme' wie "Sonnenallee", "NVA", "Das Leben der Anderen" (DDR) oder "Das Wunder von Bern" (Bundesrepublik) an.

Stärker als bisher wird bei der Frage nach der literarischen Inszenierung von Erinnerung die formalästhetische Struktur der Texte zu untersuchen, mithin einer ,Rhetorik der Erinnerung' auf die Spur zu kommen. An dieser Stelle ergibt sich auch eine Verbindung zum zweiten Schwerpunkt im Rahmen des Admoni-Programms wie des ZGM, es geht um ,Literatur und Narratologie''. Eine solche Ausrichtung ist vor allem für die polnische Germanistik von Bedeutung.

2.2 Literatur und Narratologie
Seit Mitte bzw. Ende der 1990er Jahre existiert ein neues Interesse an der Narratologie (u.a. Wolfgang Schmid, Fotis Jannidis, Ansgar Nünning, Jörg Schönert). Gleichwohl kann nicht davon ausgegangen werden, dass Fragen nach der Narration die ihr gebührende Rolle spielen. Dies gilt insbesondere für die polnische Germanistik, in der bislang Ergebnisse der historischen Narratologie nicht hinreichend beachtet wurden. Dieser Mangel zeigt sich auch bei Forschungen zum Komplex Imagologie und Interkulturalitiät.

Im Rahmen dieses für die polnische Germanistik offenen Forschungsfeldes wird es u.a. darum gehen, nach narrativen Fiktionen, nach dem Aufbau von Figuren, Erzählern, Räumen in der deutschen Gegenwartsliteratur zu fragen. Ausdrücklich ist dort, wo es sinnvoll erscheint, eine Verbindung von Allgemeinliteratur und Kinder- und Jugendliteratur herzustellen, denn wer KJL - wie auch immer - separiert, wird schwerlich in der Lage sein, Gemeinsamkeiten wie Unterschiede in den Narrationen festzumachen.

Mit der Forschungsorientierung auf die Komplexe "Gedächtnis und Erinnerung" sowie "Narratologie" sind zwei Schwerpunkte benannt, die im Rahmen des Admoni-Programms umgesetzt und durch das nunmehr gegründete Zentrum für Deutsche Gegenwartsliteratur und Medien flankiert werden.